2020-10-12

Sichere digitale Identitäten für den „Neustaat“

Auftakt zur Parlamentarischen Frühstücksreihe „DINalog“

Im „DINalog“ zu sicheren digitalen Identitäten, v.l.n.r.: Sibylle Gabler, Leiterin Regierungsbeziehungen DIN e. V., Christoph Winterhalter, Vorstandsvorsitzender DIN e. V., Thomas Heilmann, MdB CDU/CSU, Nadine Schön, MdB CDU/CSU, Dr. André Kudra, CIO esatus AG.

Unter dem Titel „Mit Standardisierung zum „Neustaat“: Sichere digitale Identitäten“ begrüßten der DIN-Vorstandsvorsitzende Christoph Winterhalter und Leiterin Regierungsbeziehungen Sibylle Gabler am 8. Oktober 2020 ausgewählte Parlamentarier und deren Wissenschaftliche Mitarbeiter in den Räumen des Reichstags zum „DINalog“. Welchen Beitrag können Normen und Standards bei der Lösung aktueller politischer Themen leisten? Wie sieht die Praxis der Experten in der Normung dazu aus? Und was für ein Standardisierungsbedarf ergibt sich daraus für die Zukunft? Hierzu wird sich DIN regelmäßig mit Vertretern des Deutschen Bundestags austauschen und Anregungen aus der Politik in die Welt der Normung mitnehmen.

Zum Auftakt der neuen Frühstücksreihe präsentierten die Mitglieder des Deutschen Bundestags Nadine Schön und Thomas Heilmann (MdB CDU/CSU) Thesen und Anregungen zur Standardisierung aus ihrem im Juni 2020 erschienenen Buch „Neustaat – Politik und Staat müssen sich ändern“. Hierin analysieren 64 Abgeordnete und Experten Themen wie Open Data, Digitale Identitäten, Künstliche Intelligenz (KI), Internet of Things (IoT), Blockchain und auch Normung allgemein und machen Vorschläge, wie sich der Staat in diesen Bereichen zukünftig aufstellen sollte. DIN hatte im Vorfeld im Rahmen von Hintergrundgesprächen Fachinformationen zum Normungssystem zur Verfügung gestellt. Einer der im Buch erarbeiteten Vorschläge diente als Grundlage des ersten „DINalogs“: Die Schaffung eines Standards für digitale Identitäten. „Durch Bereitstellen einer technischen Lösung als Open Source soll Deutschland internationaler Vorreiter werden und damit die Grundlage schaffen, aus der sich ein weltweiter Standard ergeben kann“, erläutern Heilmann und Schön. Sie fordern dabei zu „mehr DINamik“ auf: „Nicht nur das Tempo der Gesetzgebung, sondern auch das Tempo der Normungsgremien muss sich der Geschwindigkeit des digitalen Wandels anpassen“, so die Abgeordneten. So müsse aber auch der Staat die Empfehlungen des DIN besser umsetzen.

Dr. André Kudra, CIO des mittelständischen IT-Beratungsunternehmens esatus AG und Normenbotschafter von DIN, untermauerte diese Forderung mit einem Einblick in die Praxis der Normung im Rahmen digitaler Identifizierungsmöglichkeiten durch Blockchain und Distributed Ledger Technology (DLT). Er erläuterte, dass Open-Source-Lösungen dazu beitragen, die digitale Souveränität zu fördern. Dabei werde durch öffentlich dokumentierte Standards und Schnittstellen sichergestellt, dass die verschiedenen Anwendungen und IT-Systeme interoperabel sind. „Interoperable Standards bilden die Grundlage für die Verknüpfung verschiedener Blockchain-Anwendungen.“, so Kudra. Liegen standardisierte Schnittstellen vor, werde Unternehmen der Markteintritt erleichtert und die Investitionssicherheit erhöht. Dieser Effekt sei umso größer, wenn diese Standards europäisch und international angewendet werden. „Die Normung muss in der Tat mehr DINamik bekommen und agiler gestaltet werden“, pflichtete Kudra den Abgeordneten Heilmann und Schön bei. Insgesamt sehe er das Thema Digitale Identitäten noch nicht vernünftig gelöst. Big Tech Unternehmen wie Google und Facebook setzten über ihre Marktmacht eigene Standards, so dass kleine Unternehmen geringere Chancen hätten, ihre Entwicklungen am Markt zu platzieren. In seinem abschließenden „Call to Action“ resümierte Kudra: „Die Wirtschaft ist bereit, offene Schnittstellen zu entwickeln und technisch hochzuskalieren. Dazu braucht es aber auch einen klaren politischen Fahrplan.“

Zum Abschluss der regen Diskussion appellierte Christoph Winterhalter: „Wir brauchen einen Masterplan Digitale Identität!“ So könne z. B. festgelegt werden, dass in fünf Jahren keine Software mehr zugelassen wird, die keine Schnittstelle für digitale Identität mit offenen Standards hat. „Politik und Normung fällt dabei die Aufgabe zu, klare Spielregeln zu setzen, die das Thema Digitale Identität zum Laufen bringen“, so Winterhalter. Auch Big Tech Unternehmen als technologische Marktführer müssten sich öffnen und an diese Spielregeln halten. Der Mittelstand habe großes Know-how, aber zu geringe Sichtbarkeit, um gegen die Großkonzerne zu bestehen. Es brauche eine Infrastruktur, in der sich mehrere kleine Unternehmen am Markt etablieren können. Je länger damit gewartet werde, desto stärker gehe die Schere auseinander, so waren sich die Teilnehmer einig. Mit einem Masterplan und klaren technischen Standards gebe es noch eine Chance, diese Entwicklungen aus Deutschland und Europa heraus zu beeinflussen.

Der nächste „DINalog“ findet voraussichtlich im Dezember 2020 zum Thema „Künstliche Intelligenz“ statt.

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