2020-09-10

Normen im Bauwesen – neue Positionspapiere

Zur Rolle von Normen im Bauwesen sowie zur Zukunft der Bauprodukte-Verordnung

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Die Baubranche braucht einen effizienten und verlässlichen Rahmen für das Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden. Normen leisten hierzu einen wichtigen Beitrag. Sie konkretisieren die gesetzlichen Anforderungen, beispielsweise zur energetischen Gebäudesanierung oder zum Brandschutz, und erleichtern ihren Anwendern dadurch die Erfüllung ihrer rechtlichen Pflichten.

In einem neuen politischen Positionspapier erläutert DIN die Rolle von Normen im Bauwesen und ihren Einfluss auf die Höhe der Baukosten. DIN stellt klar: Normen sind Arbeitsmittel, die ähnlich wie Maurerkelle oder Hammer Arbeitsvorgänge beim Bauen erleichtern und produktiver gestalten. Die Standardisierung von Produkten und Prozessen über Unternehmensgrenzen hinweg trägt im Bauwesen erheblich zur Kostensenkung bei, angefangen bei einer vereinfachten Angebots- und Ausschreibungspraxis über verminderte Anpassungskosten bis hin zur Möglichkeit von Massenproduktion einzelner Bauteile. Auch Fehlerkosten am Bau können durch die korrekte Anwendung von Normen deutlich reduziert werden. Gleichwohl kann das Heranziehen von Normen zur Umschreibung technischer Anforderungen durch die staatliche Regelsetzung in bestimmten Fällen zu erhöhten Baukosten führen. Das geschieht vor allem durch verschärfte rechtliche Anforderungen (z.B. zur Energieeinsparung oder Barrierefreiheit), mit denen politische Ziele des Gesetzgebers erreicht werden sollen, die dann durch Normen konkretisiert werden.

Das Positionspapier erläutert darüber hinaus, warum auch gesetzlich in Bezug genommene Normen kostenpflichtige Dokumente bleiben: Auch sie finanzieren sich durch ihren Nutzen für den Anwender. Die Weiterentwicklung des bestehenden Baunormenbestandes gelingt durch aktive Mitarbeit in den Normungsgremien und die Umsetzung der Normungsroadmap Bauwerke.

Zukunft der Bauprodukte-Verordnung

Auf europäischer Ebene hat die EU-Kommission kürzlich eine Stakeholder-Befragung zur Zukunft der Bauprodukte-Verordnung (BauPVO, Englisch: Construction Products Regulation, CPR) durchgeführt. Die europäischen Normungsorganisationen CEN und CENELEC haben dazu ein „Position Paper on the implementation and future of the CPR“ veröffentlicht. Darin sichern die europäischen Normungsorganisationen (ESOs) der EU-Kommission auch weiterhin ihre Unterstützung bei der Ausgestaltung der BauPVO durch harmonisierte Europäische Normen (hEN) zu und erläutern die Vorteile des europäischen Normungssystems. So es zu einer Überarbeitung der BauPVO kommen sollte, müsse das Prinzip, grundlegende Anforderungen durch hEN die von den ESOs angenommen wurden zu konkretisieren, beibehalten werden.

Gleichzeitig stellen CEN und CENELEC die Probleme bei der Listung von hEN in Ausfüllung der BauPVO im Amtsblatt der EU in den vergangenen Jahren heraus und fordern die Kommission zu einem konstruktiven, lösungsorientierten Dialog auf, um diese Situation zu verbessern.  Die Kommission soll darüber hinaus offizielle Leitlinien zu Kriterien für die Entwicklung von hEN in Ausfüllung der BauPVO bereitstellen.