2021-01-28

FFP2-Schutzmasken: Mythen und Fakten

Parlamentarische Frühstücksreihe „DINalog“

Sibylle Gabler, Leiterin Regierungsbeziehungen bei DIN, im Gespräch mit Dr. Thomas Kruegerke, Head of Product Complicance, MSA Technologies & Enterprise Services GmbH

Im Zentrum des dritten parlamentarischen „DINalogs“, bei dem sich DIN regelmäßig mit Mitgliedern des Deutschen Bundestags und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern austauscht, um Anregungen aus der Politik in die Welt der Normung mitzunehmen, stand am 27.01.2021 aus aktuellem Anlass der FFP2-Standard zu filtrierenden Schutzmasken.

Die FFP2-Maske hat sich in der Corona-Pandemie als wirkungsvolles Mittel zum Schutz vor Infektionen bewährt. Gemäß Bund-Länder-Beschluss besteht seit 25.01.2021 eine Pflicht zum Tragen standardisierter Schutzmasken (FFP2- oder OP-Maske) in öffentlichen Verkehrsmitteln und Geschäften. In Bayern sind in diesen öffentlichen Bereichen seit dem 18.01.2021 sogar nur noch persönliche Schutzmasken nach dem FFP2-Standard erlaubt. Doch was genau sagt die Europäische Norm zum FFP2-Standard aus? Wo liegt der Unterschied zum chinesischen KN95-Standard und zu OP-Masken? Welchen Schutz bieten sie genau? Und was muss man beachten, wenn man sie wiederverwendet?

Um mit den Mythen zu brechen und die Fakten zu erläutern, gab Dr. Thomas Kruegerke, Head of Product Compliance, MSA Technologies & Enterprise Services GmbH, den Teilnehmern praktische Einblicke in die Normung persönlicher Schutzausrüstung und beantwortete die brennenden Fragen dazu. Er ist langjähriger Experte im nationalen DIN-Arbeitsausschuss „Atemgeräte für Arbeit und Rettung“ sowie ehemaliger Vorsitzender des europäischen Normungsgremiums „Respiratory protective devices“.

So erläuterte Dr. Kruegerke, dass die Norm DIN EN 149 „Atemschutzgeräte - Filtrierende Halbmasken zum Schutz gegen Partikeln“ Mindestanforderungen für partikelfiltrierende Halbmasken, darunter die FFP2-Maske, festlegt. Sie ist zum Schutz des Trägers gegen feste und flüssige Partikel gedacht, vorrangig im Bereich Arbeitsschutz. Die Norm beschreibt darüber hinaus Laborprüfungen und praktische Leistungsprüfungen und bildet damit die Grundlage für die Zertifizierung von partikelfiltrierenden Halbmasken durch externe Stellen.

FFP2-Masken dürfen laut Norm nur einen maximalen Durchlassungsgrad von sechs Prozent aufweisen und bieten daher einen vergleichsweise hohen Schutz vor Corona-Viren – sofern kein Ausatemventil vorhanden ist, die Maske korrekt gehandhabt wird und fest mit dem Gesicht abschließt. Eine mit „R“ für „reusable“ gekennzeichnete Maske könnte mehrfach genutzt werden, diese sind allerdings selten am Markt verfügbar. „Die Möglichkeit einer Wiederverwendung von FFP2-Masken hängt von verschiedenen Faktoren ab, von der Reinigung, Desinfektion, Leistung nach Aerosolaufnahme und der Lagerung“, so Dr. Kruegerke. „Die Reinigungs- und Desinfektionsmittel sind vom Hersteller vorzuschreiben, wobei die Anforderung an den Durchlassgrad anschließend weiterhin erfüllt sein muss“.

Im Gegensatz zur FFP2-Maske dient die Medizinische Mund-Nase-Schutzmaske, auch OP-Maske genannt, dem Schutz der Umgebung oder des Patienten, jedoch nicht vorrangig dem Eigenschutz. Sie stellt somit keinen Atemschutz im Sinne des Arbeitsschutzes dar. Grundlage ist die Norm DIN EN 14683: „Medizinische Gesichtsmasken“. Eine Prüfung des Dichtsitzes erfolgt laut Norm nicht, so Dr. Kruegerke.

Gar keiner Norm unterliegen die sogenannten „Community Masken“ oder Behelfsmasken. Bedingt durch Knappheit in der Beschaffung persönlicher Schutzmasken galt zu Beginn der Pandemie die Devise, eine Stoffmaske sei besser als gar keine Maske. Eine Auffassung, die auch der Experte teilt.

Schutzmasken nach dem chinesischen KN95-Standard sind, so Dr. Kruegerke, analog zu Masken nach europäischem FFP2-Standard verwendbar und unterscheiden sich nur dadurch, dass sie lediglich mit einer Aerosolart, nämlich Natriumchlorid, geprüft werden, anstatt zusätzlich noch mit Paraffinöl.

Sibylle Gabler, Leiterin Regierungsbeziehungen bei DIN, fasste abschließend zusammen, dass der beste Schutz in der aktuellen Situation mit einer FFP2- oder KN95-Maske ohne Atemventil gegeben sei, die im Fall einer Wiederverwendung nach den Vorgaben ausgelüftet und desinfiziert werden sollte. Die Normung in Deutschland und Europa habe sich zu Beginn der Corona-Pandemie als agiler Partner der EU-Kommission und der Bundesregierung gezeigt, so Gabler: Durch die kurzfristige kostenfreie Breitstellung relevanter Normen und Standards, insbesondere für Medizinprodukte und persönliche Schutzausrüstung, konnten Hersteller ihre Produktion kurzfristig auf den wachsenden Bedarf an medizinischer Ausrüstung umstellen.

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