2022-12-23

DIN/DKE/VDI-Frühstücksreihe: Klima und Normung

Rückblick auf den Abschlusstermin am 13.12.2022

© WLDavies/istockphoto.com

Deutschland befindet sich inmitten eines umfassenden Transformationsprozesses hin zu einer klimaneutralen und nachhaltigen Wirtschaft und Gesellschaft. Sowohl das Erreichen der Klimaziele als auch die Anpassung an die Folgen des Klimawandels fordern ein rasches, bestimmtes und gleichzeitiges Handeln in vielen Sektoren und Lebensbereichen.

Normen und Standards können einen wichtigen Beitrag zum Erreichen dieser Ziele leisten. So haben Normungsorganisationen weltweit mit der ISO London Declaration einen Pakt zur Unterstützung des Klimas geschlossen. Darin verpflichten sie sich, verstärkt klimawissenschaftliche Erkenntnisse in der Normung zu berücksichtigen und das klimapositive Potenzial von Normen und Standards zu heben.


Neun Termine - 35 Impulsgebende – 600 Teilnehmende

Der Klimawandel als Querschnittsthema betrifft alle Wirtschaftszweige. Daher hatten DIN, DKE und VDI in einer Diskussionsreihe vom 11.10. – 13.12.2022 eine Plattform zum Austausch über Normung als Werkzeug zum Thema Klima mit allen Akteuren angeboten.

In neun Terminen haben rund 35 Impulsgebende und rund 600 registrierte Teilnehmende über ein breites Spektrum an klimarelevanten Themen diskutiert, wie z. B. Stadtplanung, die digitale Energiewende oder Circular Economy im Bauwesen. In den einzelnen Terminen konnten wichtige normungsbezogene Impulse gesammelt und diskutiert werden.

Im nachfolgenden Rückblick steht der Abschlusstermin am 13.12.2022 im Fokus. Die Aufzeichnungen sowie die Materialien zu allen weiteren Terminen finden sich auf der Plattform https://din.one/display/KUN nach einmaliger kostenfreier Registrierung.


Rückblick auf den Abschlusstermin am 13.12.2022

Mit dem Themenkomplex „Klimapolitik der Bundesregierung und normungsstrategischer Ausblick“ fand die Klimafrühstücksreihe von DIN, DKE und VDI am 13.12.2022 einen wegweisenden Abschluss.

Es diskutierte ein stark besetztes Politik-Panel die Bedeutung der Normung im Kontext eines internationalen Wettbewerbs um neue Technologien, der Notwendigkeit ehrgeizige Klimaziele zu erreichen und unter der Erkenntnis dringend Klimaanpassungsmaßnahmen umsetzen zu müssen.


Klimapolitik der Bundesregierung: Impulse aus den Ministerien

In einem Impulsbeitrag brachte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium Christian Kühn MdB die für die Normung dringlichsten Themen auf den Punkt. Das Vorhaben eine neue Klimaanpassungsstrategie im Jahr 2023 brauche die aktive Mitarbeit der Normungsorganisationen. Insbesondere müssten alle Stakeholder sich die Bereiche Wasserinfrastruktur, Verschattungsanlagen und Hitzeschutz vornehmen. Der zweite große Baustein im Klimaschutz, die Kreislaufwirtschaftsstrategie, starte mit einem großen Beteiligungsprozess und unter Mitwirkung der Normung ab 2023. Den Baubereich nannte Kühn als einen der wichtigsten Sektoren für Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft. Hier müssten technische Normen bei Gebäuden die Klimaanpassung in die Breite tragen, was DIN bereits erfolgreich umsetze. Das BMUV, welches schon seit 1992 die Normung im Sinne des Umweltschutzes unterstützt, werde dies weiter intensivieren, unterstrich Kühn.

Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, Dr. Franziska Brantner MdB, legte den Fokus auf den internationalen Wettlauf um Zukunftstechnologien, dem sich Deutschlands Wirtschaft stelle. Normung könne eine wichtige Rolle dabei spielen, grüne Leitmärkte aufzubauen und die Digitalisierung in der Energiewende zu gestalten. Um eine normungspolitisch optimale Abstimmung unter Stakeholdern zu erreichen, werde am 15. Dezember das erste Mal ein Strategiekreis im Bundeswirtschaftsministerium tagen. Dieser werde gemeinsam Prioritäten setzen, diese bearbeiten und die inhaltliche und personelle Besetzung internationaler Gremien abstimmen. Die Themen Bauen, Baumaterialen und Wasserstoff griff Frau Brantner als Beispiele für strategisch bedeutsame Themen heraus. Der Strategiekreis werde auch das EU High Level Forum in Brüssel auf nationaler Ebene begleiten.  


Panel diskutiert Bedeutung von Klima und Normung

Im Panel diskutierten Thomas Heilmann, MdB (CDU/CSU), Mitglied im Ausschuss Klimaschutz und Energie, Esther Wandel, Referatsleiterin im Bundesfinanzministerium und Lothar Fehn Krestas, Unterabteilungsleiter im Bundesbauministerium.

Heilmann sah die Bundesregierung in der Pflicht technische Standards im Bereich Digitalisierung und der Energiewende stärker zu forcieren, bzw. an der Seite der Wirtschaft die Normung als Selbstverwaltungssystem so zu unterstützen, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland im EU-Vergleich seine Vorreiterrolle behaupten kann. Gleichzeitig warb er mit Verweis auf das Thema Grüner Wasserstoff für eine Ausrichtung auf EU-weit einheitliche Standards. Diese müsse Vorrang vor nationalen Sonderwegen haben. 

Für den Bereich der Finanzwirtschaft berichtete Wandel von einer wachsenden Bedeutung der Normung, gerade rund um Sustainable Finance und bei der Frage, wie Aspekte des Klimaschutzes in Planungen der Finanzmarktakteure einbezogen werden sollten. Auf drei Ebenen sah sie große Schnittmengen und Potentiale der Zusammenarbeit mit der Normung.

International habe die G7 sich für eine Stärkung der Bedeutung von Sustainable Finance und nachhaltigkeitsbezogene Unternehmensberichterstattung ausgesprochen. Der zentrale globale Standardsetzer sei das International Standards Sustainability Board (ISSB), welches sich in Deutschland ansiedeln werde und eng mit nationalen und EU-Standardsetzern zusammenarbeiten soll. Der vom Bundeskanzler initiierte Klimaclub würde zusätzlich für einheitliche Standards weltweit werben. Auf EU-Ebene sei wichtig, die Taxonomie und neue Rahmenwerke, wie den EU Green Bond Standard eng und mit Augenmaß zu begleiten. National habe der Sustainable Finance Beirat der Bundesregierung gute Arbeit geleistet, die es gelte auszubauen.

Für all diese Ebenen warb Wandel für einen erweiterten und kontinuierlichen Schnittstellen-Dialog mit den Normungsorganisationen.

Fehn Krestas besprach das drängende Thema der Lebenszyklusbetrachtung im Baubereich. Dieser fange bei der Materialbeschaffung an und ende bei der Weiternutzung von Gebäuden oder Baustoffen. Normung könne unterstützen, etwa bei der Frage, nach welchem Standard Produkte in die Wiederverwendung gehen können. Der Gebäudesektor habe bis 2030 eine enorme Reduktion des Ausstoßes von CO2-Emissionen zu erreichen. Hier sei die Normung gefragt sich gemeinsam mit der Wirtschaft den dafür nötigen Themen zu widmen, wie etwa einem Standard für dekarbonisierten Zement. 


Normungsstrategischer Ausblick

Den abschließenden normungsstrategischen Ausblick gaben Dieter Westerkamp, Bereichsleiter im VDI, Florian Spiteller, Mitglied der Geschäftsleitung der DKE und Christoph Winterhalter, Vorsitzender des Vorstands bei DIN.

Westerkamp betonte die Bedeutung eines Zusammenspiels aus politischer Regulierung und Standardsetzung und verdeutlichte dies am Beispiel der VDI 2073, dem Standard für einen hydraulischen Abgleich von Heizungsanlagen. Mit diesem sei eine Energieeinsparung von 7-11% zu erreichen, sodass per Gesetz dieser Standard nun verpflichtend anzuwenden sei.

Spiteller griff das Thema All Electric Society heraus, eines der neun Themen der Klimafrühstücksreihe. Die Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung in allen Bereichen könne nur mit der Normung gemeinsam funktionieren.

Winterhalter verwies auf die internationale Dimension aller Maßnahmen zum Schutz des Klimas und zur Klimawandelanpassung. Es gebe eine Verpflichtung auf ISO-Ebene Klimaschutz auf allen Normungsebenen mitzudenken. Eine globale Herausforderung wie der Klimawandel sei nur gemeinsam und über eine internationale Zusammenarbeit zu bewältigen. Dafür existieren mit ISO und IEC bereits bestehende, funktionierende Netzwerke, die genutzt werden können.

Mit einer Betonung auf die Bedeutung von Dialog und Kommunikation warben alle drei Schlussredner für ein aktives Engagement in den Normungsgremien. Diese werden auch 2023 wie bisher auf Hochtouren an den Themen der Klimafrühstücksreihe arbeiten.


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