Presse

2017-04-25

Preiswürdige Standards

DIN-Innovationspreis 2017 für Standardisierungsprojekte aus Transport und Logistik, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Erneuerbare Energien

Die Preisträger der DIN-Innovationspreises mit Rüdiger Marquardt
Rüdiger Marquardt (2. v. l.), Mitglied der Vorstandes bei DIN, mit den Preisträgern des diesjährigen DIN-Innovationspreises: Dr. Sebastian Wutke (links), Dr.-Ing. Thomas Usländer (2. v. r.) und Dr. Volker Naumann (rechts)
© DIN

Normung und Standardisierung tragen wesentlich dazu bei, Innovationen zur Marktreife zu entwickeln und Zukunftsfelder zu erschließen – darauf macht DIN mit seinem jährlich vergebenen Innovationspreis aufmerksam. Dieses Jahr wurden drei Standardisierungsprojekte ausgezeichnet. Christoph Winterhalter, Vorsitzender des Vorstandes von DIN, überreichte den mit je 3.000 Euro dotierten DIN-Innovationspreis 2017 am 25. April auf der Hannover Messe. Die Projekte aus den Bereichen Transport und Logistik, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Erneuerbare Energien zeichneten sich durch ihr besonderes Innovationspotenzial aus.

Praxisnaher Standard für Logistiker: Daten einfach unternehmensübergreifend austauschen (DIN SPEC 91224)

Dr. Sebastian Wutke von der International Transfer Center for Logistics GmbH hat sich mit den Herausforderungen eines unternehmensübergreifenden Datenaustauschs in der Logistikbranche beschäftigt. So benötigen Unternehmen spezifische Daten von Transportdienstleistern, um umfassende Nachhaltigkeitsbilanzen erstellen zu können. Jedoch liegen diese Daten oft in unterschiedlichen Formaten und Informationsgehalten vor. In einem vom BMWi im Rahmen des Förderprogramms „Innovation mit Normen und Standards (INS)“ geförderten Projekts haben Vertreter von Industrieunternehmen und Logistikdienstleistern deshalb den praxisnahen Standard DIN SPEC 91224 geschaffen, um die benötigten Informationen unternehmensübergreifend und effizient austauschen zu können. Emissionsbilanzen lassen sich so praktisch erstellen – wiederum eine wichtige Grundlage, um transportbedingte Emissionen gezielt zu reduzieren.

Klarheit in Sachen SOA: Referenzmodell für Industrie 4.0-Servicearchitekturen (DIN SPEC 16593)

Dr.-Ing. Thomas Usländer vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) hat, ebenfalls in einem vom BMWi geförderten INS-Projekt, gemeinsam mit Wirtschafts- und Wissenschaftsvertretern ein Referenzmodell für Industrie 4.0-Servicearchitekturen erarbeitet. In der Industrie 4.0 ist der Begriff „serviceorientierte Architektur (SOA)“ in aller Munde. Doch obwohl SOA seit Jahren eine akzeptierte und bewährte Technologie ist, bestand bis dato keine Klarheit, was unter dem Begriff und unter dem technischen Konzept „Service“ (Dienst) genau zu verstehen ist. Abhilfe schafft die DIN SPEC 16593: Sie spezifiziert eine sogenannte interaktionsbasierte Architektur (IBA) als Grundgerüst für die Definition von Diensten und Protokollen. Das entwickelte Referenzmodell für Industrie 4.0-Servicearchitekturen ist zugleich unumgänglich, um die DIN SPEC 91345 (RAMI 4.0) zu verfeinern.

Einzelne Solarzellen statt ganze Photovoltaikmodule testen (DIN SPEC 91348)

Ebenfalls mit dem DIN-Innovationspreis 2017 wurde das von Dr. Volker Naumann vom Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik (CSP) initiierte INS-Projekt prämiert. Die DIN SPEC 91348 beschreibt erstmals ein standardisiertes Testverfahren, um unverkapselte Siliziumsolarzellen auf die sogenannte potenzialinduzierte Degradation (PID) zu prüfen, eine der häufigsten Ursachen für Leistungseinbußen in Photovoltaikmodulen. Verursacht werden diese Einbußen durch winzige Fehler auf nanoskopischer Ebene. Nach Bekanntwerden dieses Effekts wurden zwar diverse Tests entwickelt, die jedoch sehr kostenintensiv ausfielen. Demgegenüber müssen mit dem in der DIN SPEC beschriebenen Testverfahren nicht mehr komplette Solarmodule hergestellt und in großen Klimakammern geprüft werden. Stattdessen lassen sich einzelne, unverkapselte Solarzellen testen und dabei genau den Bedingungen aussetzen, unter denen PID abläuft: erhöhte Temperaturen sowie ein hohes elektrisches Potenzial zwischen Glasoberfläche und Solarzelle. Auf Basis dieses PID-Zellentestverfahrens entwickelte die Firma Freiberg Instruments die Testapparatur „PIDcon“. Diese stößt auf großes Interesse, musste bisher jedoch mit dem Nachteil kämpfen, dass noch kein anwendbarer Teststandard existierte. Mit der Veröffentlichung der DIN SPEC wurde dieses Defizit behoben.

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