Koordinierungsstelle Umweltschutz

Klimawandel

Hintergrund

Die Notwendigkeit zum Handeln entsteht durch die Auswirkungen des Klimawandels. Trotz Bemühungen um Emissionsminderung zum Klimaschutz führen die bis heute ausge­stoßenen Treibhausgase bereits dazu, dass das Klima unserer Erde für Jahrzehnte spürbar verändert. Im Zuge des Klimawandels ist mit einer Zunahme und Verstärkung der Extremwetterereignisse zu rechnen, die zuletzt Schäden in Milliardenhöhe verursacht haben.

Klimaprojektionen der Wissenschaft deuten auf weit gravierendere Veränderungen für die Zukunft hin. Dies ist der Fall, wenn Einwirkungen durch z. B. extreme Temperatur oder extremen Niederschlag (Regen, Hagel, Schnee) Lebens-, Umwelt- oder Wirtschafts­bereiche unmittelbar treffen. Dadurch wird eine Reihe an Wirkungsketten ausgelöst, etwa nach längeren oder intensiveren Überflutungsereignissen, Hitze-/Kälte- und Trockenperioden oder dem Anstieg des Meeresspiegels.

Vor diesem Hintergrund ist vorrausschauendes Handeln und Engagement gefragt, auch in der Normung. Dies ist auch deshalb sinnvoll, weil die Funktionen der Lebens- und Umwelt- oder Wirtschaftsbereiche jeweils als System sowie deren Effizienz und Zuverlässigkeit vielfach durch normative Festlegungen konkretisiert werden. Dabei bedeutet die Anpassung an den Klimawandel, sich mit den Auswirkungen klimatischer Veränderungen zu befassen sowie diese zu minimieren und auf ein akzeptables Niveau zu begrenzen, wenn eine funktionale Beeinträchtigung der genannten Systeme (Vulnerabilität) zu erwarten ist.

Stand der Arbeiten

Der KU-AK 4 hat als erste Aufgabe die DIN SPEC 35220 "Anpassung an den Klimawandel – Umgang mit Unsicherheiten im Kontext von Projektionen" erarbeitet, u. a. basierend auf der Erkenntnis der vom TS 2 durchgeführten Umfrage. Diese Spezifikation (Ausgabe November 2015) wird auch in Englisch veröffentlicht, um nationale Erkenntnisse und Erfahrungen in die europäische und internationale Arbeit einzubringen. In der DIN SPEC 35220 werden u. a.

  • Hinweise zum richtigen Umgang mit Unsicherheiten der Klimaprojektionen als Voraussetzung der Anpassung,
  • Empfehlungen über bewährte Vorgehensweisen zur Umsetzung der Anpassung und
  • Hilfestellung zur Identifizierung relevanter Normen oder Normungsthemen in Form einer Checkliste,

systematisch aufbereitet.

Zur Ergänzend der DIN SPEC 35220 hat der KU-AK 4 ein Beiblatt erarbeitet, d im August 2018 veröffentlicht wurde. Darin werden anhand des konkreten Beispiels  Sommerlicher Wärmeschutz von Gebäuden die Grundsätze der Vulnerabilitätsbewertung und mögliche Maßnahmen zur Anpassung systematisch aufbereitet. Eine wichtige Erkenntnis dieser Arbeit ist u. a., dass neben gesicherten Daten der Klimaprojektion insbesondere technische Daten benötigt werden, um die ggf. vielfältigen Wechselwirkungen der Einflussparameter des Normungs­themas über die bisher geltenden Klimabedingungen hinaus abzubilden. Hierfür können er­fahrungsgemäß weiterführende Untersuchungen notwendig sein, die ggf. kosten- und zeit­intensiv sind. 

Mit Blick von Entwicklungen der letzten Jahre und auch ausgehend von den Erfahrungen bei der Erarbeitung des Beiblattes wird die DIN SPEC 35220 ab Herbst 2018 grundlegend überarbeitet.  Eine mögliche Erweiterung in diesem Zusammenhang ist u. a. die Formulierung der Grundsätze zur Erarbeitung und Fortschreibung von Notfallplänen für Extremwetterer­eignisse, die nach Erfahrungen beim Risikomanagement wirksam zur Begrenzung von Risiken und damit auch der Vulnerabilität beitragen kann.

Auf europäischer Ebene hat der KU-AK 4 an der Erarbeitung der neuen CEN/CENELEC Guide 32 zu Anpassung an den Klimawandel maßgeblich mitgewirkt. Diese Leitlinie mit dem Fokus auf den Lebenszyklus von Produkten, die im April 2016 veröffentlicht wurde, soll ebenfalls dazu beitragen, die für die Anpassung an den Klimawandel relevanten Europäischen Normen und Normungsthemen zu identifizieren.

Zudem begleitet der KU-AK 4 tatkräftig die Umsetzung des EU Mandats [C(2014) 3451 final] an CEN, CENELEC und ETSI zur Anpassung an den Klimawandel, die Mitte 2014 gestartet ist und von der Koordinierungsgruppe (ACC-CG) mit dem Arbeitskreisleiter des KU-AK 4 als Chairman betreut wird, eingerichtet von Technical Board seitens CEN/CENELEC. Zum Januar 2018 ist die Phase 2 des EU-Mandates gestartet. Dabei sollen die in der Phase 1 des EU-Mandates identifizierten Normen konkret angepasst werden. Hierfür wird eine europäische Leitlinie für die Vulnerabilitätsbewertung zudem erarbeitet, um die betreffenden CEN-Arbeitsausschüsse bei der Anpassung ihrer Normen konkret zu unterstützen. Das im Beiblatt 1 zu DIN SPEC 35220 aufbereite Beispiel der Vulnerabilitätsbewertung sollte als ein mögliches Beispiel von „best practice“ in diese Leitlinie integriert werden.  

Überdies arbeitet der AK 4 eng mit dem im Februar 2016 gegründeten NA 172-00-13 AA "Anpassung an die Folgen des Klimawandels" im DIN-Normenausschuss Grundlagen des Umweltschutzes zusammen. Dieser Arbeitsausschuss ist zuständig für die Spiegelung der ISO Arbeiten zum Thema "Adaptation to Climate Change", die im ISO/TC 207/SC 7 ange­laufen sind.

Beteiligung

Bei der Arbeit des AK 4 sind Experten bzw. Expertisen aus den nachfolgenden interessierten Kreisen eingebunden:

  • Fachbehörden (Umweltschutz, Energie und Gesundheit)
  • Wetterdienst und Klimadienstleister (DWD, GERICS)
  • Industrie (Bahn, Stahlherstellung, Versicherung)
  • Fachplanung für technische Gebäudeausrüstung
  • Hochschulen. 

Die breite Beteiligung ist nach den ersten Erfahrungen an der Stelle sehr sinnvoll, weil so­wohl bei der Durchführung der Vulnerabilitätsbewertung als auch bei der Konzeption der Anpassungspassmaßnahmen interdisziplinärer Beteiligung notwendig ist.  Die Mitwirkung  von Experten anderer interessierten Kreise ist daher stets willkommen (DIN Ansprech­partner: Dr. Wiebke Meister)  

Ausblick

Parallel zur eingeleiteten Aktualisierung der DIN SPEC 35220 ist zur Stärkung der Bewusstseinsbildung  ein Workshop seitens KU-AK 4 für Frühjahr 2019 geplant, um die in der Normung beteiligten Kreise über die aktuelle Entwicklung in der Klimaprojektion und bei der Anpassung zu informieren, nicht zuletzt anhand vom Beiblatt 1 zu DIN SPEC 35220.

In Dialogen mit einzelnen Normenausschüssen wird zudem angestrebt, konkrete Normen jeweils als Pilotprojekt und in Zusammenarbeit zu analysieren und erforderlichenfalls anzu­passen, um die praktische Anwendung der DIN SPEC 35220 zu erproben und fortzu­schreiben. Hierbei kann die Durchführung und Dokumentation der Vulnerabilitätsbewertung einen fundierten Ausgang schaffen.

Die Begleitung der europäischen Aktivitäten und die Unterstützung der internationalen Aktivitäten werden unvermindert fortgesetzt.

Historie

Zum Themenschwerpunkt "Anpassung an den Klimawandel" wurde im September 2012 ein Expertenkreis (TS 2) in der DIN-Koordinierungsstelle Umwelt (KU) eingerichtet. Dabei bilden die Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) der Bundesregierung und der zugehörige Aktionsplan die Arbeitsgrundlage. Damit soll der Bedarf der Anpassung in der Normung identifiziert und in der Folge die Prozesse zur notwendigen Umsetzung in den DIN-Normenausschüssen angestoßen und unterstützt werden. Durch diese vornormative Arbeit des Expertenkreises soll mit der breiten Beteiligung der tangierten Kreise eine bessere Berücksichtigung des Klimawandels­ in nationalen Normen erreicht werden.

Der Expertenkreis TS 2 hat zunächst eine Umfrage bei DIN-Normenausschüssen initiiert, vorbereitet und durchgeführt, um Normen und Normungsthemen zu identifizieren, die für die Anpassung an den Klimawandel relevant sind.

Im September 2013 wurde der TS 2 in einen gleichnamigen Arbeits­kreis (AK 4) umgewandelt, um europäische und internationale Aktivitäten zu begleiten, da in der Zwischenzeit verschiedene Projekte zum Thema Anpassung an den Klimawandel durch die Europäischen und internationalen Normungsorganisationen (CEN/CENELEC und ISO) ange­stoßen worden sind.

Ihr Ansprechpartner

DIN e. V.

Reiner Hager

Saatwinkler Damm 42/43
13627 Berlin

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