Beuth-Denkmünze an Prof. Dr. Rainer Marutzky

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Herr Prof. Marutzky hat seit mehreren Jahrzehnten in nationalen, europäischen und internationalen Normungsgremien äußerst verdienstvoll mitgearbeitet. Sein fachliches Schwerpunktthema ist die Formaldehydabgabe von Holzwerkstoffen. Für die Entwicklung von Europäischen Normen zur Bestimmung der Formaldehydabgabe aus Holzwerkstoffen ist die Arbeitsgruppe CEN/TC 112/WG 5 zuständig. Herr Prof. Marutzky war Gründungsmitglied der CEN/TC 112/WG 5 "Holzwerkstoffe; Formaldehyd" im Februar 1989 und hat die Arbeiten von Beginn an maßgebend mitgestaltet. Bis Mitte der 1990er Jahre wurde die erste Ausgabe der Normenreihe EN 717 "Holzwerkstoffe - Bestimmung der Formaldehydabgabe“ veröffentlicht, die aus drei Teilen besteht.

Im Jahr 1998 wurde Herr Prof. Marutzky zum Convenor der CEN/TC 112/WG 5 ernannt. Die Arbeitsgruppe CEN/TC 112/WG 5 wurde 2004 in "Gefährliche geregelte Stoffe“ umbenannt, um den Anforderungen der Bauproduktenlinie Rechnung zu tragen, diese Stoffe im Rahmen der grundlegenden Anforderung "Hygiene und Gesundheit“ zu berücksichtigen. Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem CEN/TC 351 "Bewertung der Freisetzung gefährlicher Stoffe aus Bauprodukten“, wo Herr Prof. Marutzky das CEN/TC 112 "Holzwerkstoffe“ vertritt.

In den letzten Jahren sieht sich die Holzwerkstoffindustrie in Bezug auf die Abgabe von Formaldehyd neuen Herausforderungen gegenüber. Diesen wird in der CEN/TC 112/WG 5 unter der Leitung von Herrn Prof. Marutzky begegnet durch die Weiterentwicklung der Prüfverfahren zur Bestimmung der Formaldehydabgabe, um auch die heute üblichen geringen Mengen sicher bestimmen zu können. Der Tendenz zu sehr niedrigen Formaldehydabgaben wird auch durch die vorgeschlagene neue Formaldehydklasse E1plus Rechnung getragen, die unter wesentlicher Mitwirkung der CEN/TC 112/WG 5 entwickelt wurde und in die Harmonisierte Norm für Holzwerkstoffe, EN 13986 "Holzwerkstoffe zur Verwendung im Bauwesen – Eigenschaften, Bewertung der Konformität und Kennzeichnung; Deutsche Fassung EN 13986:2004", aufgenommen werden soll.

Ein herausragender Verdienst von Herrn Prof. Marutzky ist die Bestimmung und Validierung von Korrelationen zwischen den verschiedenen Prüfverfahren zur Formaldehydabgabe aus Holzwerkstoffen. Die heute offiziell anerkannten Korrelationen zwischen der Referenzmetode und den sogenannten abgeleiteten Prüfverfahren für die werkseigene Produktionskontrolle sind in verschiedenen Forschungsprojekten unter Mitwirkung von Herrn Prof. Marutzky untersucht worden und in die Normung eingeflossen.

Neben seinen Aktivitäten in der europäischen Normung hat Prof. Marutzky auch die internationale Normung im ISO/TC 89 "Holzwerkstoffe“ in Bezug auf die Bestimmung der Formaldehydabgabe wesentlich mitbestimmt. Als Projektleiter in der ISO/TC 89/WG 5 "Prüfverfahren“ war Herr Prof. Marutzky federführend für die Entwicklung der Normenreihe ISO 12460 "Holzwerkstoffe - Bestimmung der Formaldehydabgabe”, die aus vier Teilen besteht.

Prof. Marutzky hat am 1. Januar 2010 die Leitung des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung (WKI) abgegeben und ist in den Ruhestand getreten. Prof. Marutzky ist jedoch weiterhin in der Normung aktiv und ist nach wie vor Convenor der CEN/TC 112/WG 5.

Herr Prof. Marutzky ist weiterhin im internationalen Verein für Technische Holzfragen (iVTH) aktiv. Ihm ist es zu verdanken, dass trotz anfänglicher Schwierigkeiten der Kommentar zu DIN 68800 "Holzschutz“ herausgegeben werden konnte, der in Zusammenarbeit zwischen dem iVTH und dem Beuth Verlag im Januar 2013 veröffentlicht worden ist.

Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung für seine Verdienste um die Normung wurde Herrn Prof. Marutzky am 14. Mai 2013 auf dem 4. Innovationsworkshop Holzwerkstoffe 2013 in Köln die Beuth-Denkmünze verliehen.