Normen im Alltag
Auf Schritt und Tritt: Normung begleitet uns unentwegt
Sicherheit für die Kleinen
Babys schlafen einfach besser ein, wenn sie beruhigt an ihrem Schnuller nuckeln können. Unfälle durch Verschlucken können dabei für das Kind zu einer tödlichen Gefahr werden. Sicherheitsanforderungen an die physische und chemische Beschaffenheit von Schnullern sind daher in DIN EN 1400-1 ff. festgelegt. So müssen Schnuller, die dieser Norm genügen wollen, ein Schild mit mindestens zwei Löchern aufweisen, sodass der Säugling auch dann noch weiteratmen kann, wenn der Schnuller im Mund feststeckt.
Auch für andere Kleinkindartikel wie Fläschchen, Spielzeug und Kleidung gibt es Normen. So dürfen laut DIN EN 14682 Kleidungsstücke, die für junge Kinder bestimmt sind, im Kapuzen- und Halsbereich keine Kordeln oder Zugbänder aufweisen, mit denen sich das Kind in Spielzeugen (z. B. beim Rutschen) verfangen und verletzen kann.
Besonders wichtig in den ersten Jahren: das Lieblings-Stofftier. Das macht im Laufe seines Lebens ganz schön was mit, wird gedrückt, gezogen und muss mittels heftiger Stunts für die Wissbegierde des Kindes aufkommen. Für nach DIN EN 71-1 genormte Kuscheltiere bleibt das alles folgenlos, denn die haben bereits wichtige Tests bestanden: Ihr Fell ist feuerresistent, und auch das Knopfauge hat genau festgelegte Zugversuche hinter sich. Und sollte doch mal ein Auge abfallen, dann ist es – laut Norm – garantiert zu groß, um verschluckt werden zu können.
Die Gestaltung und Prüfung von Schulranzen unterliegt ebenfalls Normen: DIN 58124 legt Anforderungen an deren ergonomische und sicherheitstechnische Beschaffenheit fest, damit die Last auf dem Rücken der ABC-Schützen medizinisch richtig verteilt wird und die Kinder mit ihrem Ranzen beim Überqueren der Straße gut sichtbar sind.
Und sollte der Weg zur Schule auf dem Fahrrad eingeschlagen werden, geben auch hier Normen Sicherheit, denn die DIN EN 14765 befasst sich mit sicherheitstechnischen Anforderungen an Kinderfahrräder.
Zwischen Pesto und Pasta
Kochen ist in den letzten Jahren zum reinsten Freizeitvergnügen geworden, und mittlerweile gibt es dabei so viele kleiner Helferlein und technische Ausstattungen, dass wirklich jeder ein festliches Abendessen zaubern kann. Umso besser, wenn dabei Normen ins Spiel kommen.
Neben dem Erfüllen von Anforderungen und Sicherheitsbestimmungen im Einzelnen, müssen die unterschiedlichen Produkte, wie Möbel, Spülen oder elektrische Geräte auch untereinander zusammenpassen, und zwar europaweit. So enthält die DIN EN 1116 Koordinationsmaße für Küchenmöbel und Arbeitsplatten sowie für Küchengeräte, Spülen und Dekorplatten.
Um die Vitamine im Gemüse zu schonen wird gerne ein Schnellkochtopf verwendet. Auch Zeit- und Energieverbrauch werden mit einem Dampfkochtopf spürbar eingedampft. Doch wo mit Hochdruck gekocht wird, gibt es auch besondere Anforderungen an die Sicherheit. Welche, das steht in DIN EN 12778.
Für den richtigen Geschmack sorgen alle möglichen Arten von Gewürzen. Allgemeine Beschaffenheiten wie Aussehen, Größe, Geschmack und Geruch sowie hygienischer Zustand von Gewürzen lassen sich nach ISO-Normen beurteilen und klassifizieren.
Beispiele:
ISO 959-1: Pfeffer (Piper nigrum L.), ganz und gemahlen - Spezifikation - Teil 1: Schwarzer Pfeffer
ISO 6577: Muskat, ganz oder gemahlen, und Muskatblüte, ganz oder in Stücken (Myristica fragrans Houtt.) - Technische Lieferbedingungen
Fehlt nur noch der gute Wein, der zu jedem guten Essen gehört. Wie aber erkennt man, welche Qualität ein Wein besitzt? Zur Weinverkostung bedarf es eines objektiven Werkzeugs und eines geregelten Umgangs damit. Beides liefert DIN 10960: Die Norm legt Maße, Form, Werkstoff, Ausführung und Volumen sowie Mindestanforderungen für die Anwendung von Prüfgläsern für Wein fest.
Mundhygiene
Und nach dem Essen: Zähne putzen nicht vergessen! Zucker vermeiden und täglich Zahnpasta und Zahnseide benutzen ist bekanntlich das Geheimnis gesunder Zähne. Anforderungen und Prüfmethoden für die physikalischen und chemischen Eigenschaften sowie für die Kennzeichnung und/oder Etikettierung von Zahnpasten legt DIN EN ISO 11609 fest.
Um die physikalischen Eigenschaften von Handzahnbürsten geht es in DIN EN ISO 20126. Die verlangt unter anderem eine Büschelauszugskraftprüfung: Bürsten, die diese Prüfung bestehen, verlieren keine Filamente (Borsten) beim Putzen. Dasselbe gilt für elektrische Zahnbürsten, die nach DIN EN ISO 20127 geprüft worden sind.
Durch Mundspülungen, Sprays und Mundduschen allein können Zähne und Prothesenoberflächen nicht ausreichend gesäubert werden. Freilich beeinflussen sie aber die Mundhygiene positiv, vor allem wenn ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften DIN EN ISO 16408 entsprechen.
Freizeit im Grünen
Was ist die liebste sommerliche Freizeitbeschäftigung in Deutschland? Richtig: das Grillen. Auch hier sorgen Normen für Sicherheit und gutes Gelingen. Maximal 20 mm breit darf z. B. der Abstand zwischen den Stäben des Grillrostes sein, sonst landet womöglich die Wurst anstatt auf dem Teller in der Glut. Ein Grillgerät nach DIN EN 1860-1 macht das Barbecue zu einem sicheren und gelingenden Vergnügen.
Darin steht alles, was einen Holzkohlegrill auszeichnet, der standfest und hitzebeständig ist und auch ansonsten in Gestalt und Material als Grill gute Dienste leistet. Wer seine Holzfällersteaks zudem auf Grillkohle nach DIN EN 1860-2 brutzelt, kann sich glücklich schätzen: da kann man sicher sein, dass der Brennstoff weder Pech, fossile Kohlearten und deren Derivate, noch Erdöl, Koks oder Kunststoffe beinhaltet.
Während Papa die Würste wendet, vertreiben sich die Kinder auf der Gartenschaukel die Zeit. Um unsanfte Landungen zu vermeiden, müssen vor dem Take Off allerdings entscheidende Kriterien an Stabilität und Konstruktion einer Schaukel erfüllt sein. Damit nichts passiert, regelt DIN EN 71-8 die Konstruktion von Kinderschaukeln für den häuslichen Gebrauch. Die dieser Norm entsprechenden Schaukeln garantieren, dass sie weder umfallen noch scharfe Kanten oder sonstige Gefahrenstellen besitzen, die zu Verletzungen führen können.
Und wer nach dem Löschen der Glut noch immer nicht nach Hause möchte, der schlüpft am Ende eines langen Tages am besten ganz romantisch in sein nach DIN EN ISO 5912 geprüftes Campingzelt, in einen nach DIN EN 13537 geprüften Schlafsack.
Wo uns Normen im Alltag sonst noch begegnen:
Daunenfedern
Als Füllmaterial für Bettdecken und Kissen bleiben natürliche Geflügelfedern mit ihren besonderen Eigenschaften einzigartig. Um diese herausragende Qualität zu schützen gibt es die Norm DIN EN 12934, die die Kennzeichnung auf den Bettdecken regelt, in welchen Anteilen welche Federsorten verarbeitet sind. Hersteller, die die tatsächliche Übereinstimmung des Füllmaterials mit der Kennzeichnung von DIN CERTCO freiwillig überprüfen lassen, zeigen das seit dem 01.09.2006 mit dem Gütesiegel „Traumpass – Sicherheit durch kontrollierte Qualität“.
Blindenschrift
Die Blindenschrift arbeitet mit Punktmustern, die von hinten in das Papier gepresst sind, so dass sie als Erhöhung mit den Fingerspitzen abgegriffen werden können (vgl. DIN 32976). Um den Alltag für stark Sehbehinderte und Blinde zu erleichtern, werden davon ausgehend verschiedene Anwendungen standardisiert. DIN 55561 legt Anforderungen zur Aufbringung der Blindenschrift auf Verpackungen fest.
Feuerwerk
Ob Frösche oder Erbsen: Wenn’s um Feuerwerkskörper jeglicher Art geht, ist man gut beraten, sich an die Gebrauchsanweisungen auf den Verpackungen zu halten. Denn ist das Feuerwerk nach DIN EN 14035-1ff. hergestellt, gilt: Jedes Feuerwerk ist ordentlich klassifiziert, angemessen verpackt und ausreichend beschriftet, seine Herstellung und Funktion sind überprüft.
Dachziegel
In ihrer exponierten Lage müssen Dachziegel Wind und Wetter, Fröste und Stürme,
Schneelasten und Regengüsse, Sonne und Trockenheit aushalten. Und das über Jahrzehnte. Neben den hohen Anforderungen an die Stabilität der Materialien kommen natürlich noch geometrische Spezifikationen hinzu: Zur Planung und beim Decken des Daches sind genaue Maßangaben unverzichtbar. Nach welchen Kriterien qualitativ hochwertige Dachziegel anzufertigen sind, ist in Normen festgelegt (Beispiel: DIN EN 1304: Dachziegel und Formziegel - Begriffe und Produktanforderungen).
KFZ-Kennzeichen
Die von der Straßenverkehrs-Zulassungsordnung (StVZO) vorgeschriebenen amtlichen Kennzeichenschilder an Kraftfahrzeugen und deren Anhängern müssen retroreflektierend, also zurückstrahlend sein. Wie diese und weitere Merkmale in der Praxis umgesetzt und bei Ausfuhrkennzeichen auch der Verordnung über Internationalen Kraftverkehr (Vint) gerecht werden, stellt DIN 74069 klar.

