Fragen und Antworten
Die wichtigsten Fragen rund um das DIN, seine Aufgaben und die Normung in aller Kürze.
Welche volkswirtschaftliche Bedeutung haben Normen? Welche Bedeutung haben Normen für Unternehmen? Welche Bedeutung haben Normen für den Verbraucher? Greifen der Staat oder die Europäische Kommission in die Normung ein? Macht internationale Normung das DIN überflüssig? Wie verhalten sich Normen und Innovationen zueinander? Sind Normen mit Gesetzen gleichzusetzen? Was bedeuten die verschiedenen Abkürzungen vor der Nummer der Norm?
Die Abkürzung DIN steht seit 1975 für Deutsches Institut für Normung e.V. Die Arbeitsergebnisse des DIN sind Deutsche Normen oder DIN-Normen.
Die Anfänge des DIN gehen auf das Jahr 1917 zurück, als der Normenausschuss der Deutschen Industrie (NADI) gegründet wurde. Im Vorfeld hatten sich verschiedene Interessensgruppen, unter anderem der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit der Notwendigkeit einer organisierten Normung auseinandergesetzt. Der NADI gab die sogenannten DI-Normen (=Deutsche Industrie Normen) heraus. Die Einschränkung auf Industrie-Normen wurde schon 1926 als zu eng empfunden, da es bereits viele Normen für das Bürowesen, Krankenhäuser oder Küchengeräte gab. Man nannte sich demnach Deutscher Normenausschuß e.V und die Abkürzung DIN wurde als „Das Ist Norm“ ausgelegt. 1975 hat man die Konformität zwischen Organisationsnamen und Dokumentennamen hergestellt.
Das DIN Deutsches Institut für Normung e. V. erbringt Dienstleistungen für die deutsche Wirtschaft. Das DIN ist der runde Tisch, an dem sich Vertreter von Herstellern, Handel, Verbrauchern, Handwerk, Dienstleistungsunternehmen, Wissenschaft, technischer Überwachung und Staat zusammensetzen und markt- und zeitgerechte konsensbasierte Normen zu erarbeiten.
Laut Vertrag mit der Bundesrepublik Deutschland vom 5. Juni 1975 ist das DIN die für die Normungsarbeit zuständige Institution in Deutschland und vertritt die deutschen Interessen in den weltweiten und europäischen Normungsorganisationen.
Das DIN hat ca. 1.800 Mitglieder. Dies sind Unternehmen, Verbände, Behörden und andere Institutionen aus Industrie, Handel, Handwerk und Wissenschaft. Gemeinsam ist den Mitgliedern, dass sie die strategische Bedeutung der Normung für ihre Arbeit und für die deutsche Wirtschaft erkannt haben.
Man könnte Normen als die Sprache der Wirtschaft bezeichnen. Eine Norm ist ein den Stand der Technik widerspiegelndes Dokument, welches in festgelegten Prozessen innerhalb einer Normungsorganisation entstanden ist. Normen regeln und erleichtern durch Festlegungen allgemeine und wiederkehrende Anwendungen. Sie können sich sowohl auf Gegenstände als auch auf Verfahren beziehen.
Die genaue Definition des Begriffes Norm findet sich in der DIN EN 45020: "Dokument, das mit Konsens erstellt und von einer anerkannten Institution angenommen wurde und das für die allgemeine und wiederkehrende Anwendung Regeln, Leitlinien oder Merkmale für Tätigkeiten oder deren Ergebnisse festlegt (…)."
Als Normung wird der Prozess bezeichnet, der zur Entstehung von Normen führt. Die Normenreihe DIN 820 legt alle Aspekte der Normungsarbeit fest und bezeichnet Normung als „die planmäßige, durch die interessierten Kreise gemeinschaftlich durchgeführte Vereinheitlichung von materiellen und immateriellen Gegenständen zum Nutzen der Allgemeinheit. Sie darf nicht zu einem wirtschaftlichen Sondervorteil einzelner führen. Sie fördert die Rationalisierung und Qualitätssicherung in Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und Verwaltung. Sie dient der Sicherheit von Menschen und Sachen sowie der Qualitätsverbesserung in allen Lebensbereichen.“
Ein wichtiger Normungsgrundsatz ist die Freiwilligkeit der Mitarbeit an der Normung. Auch die Arbeitsergebnisse, die DIN-Normen, sind Empfehlungen, deren Anwendung freiwillig ist. Weitere Grundsätze sind Öffentlichkeit, Beteiligung aller interessierten Kreise, Konsens, Sachbezogenheit, Internationalität sowie die Ausrichtung am Stand der Wissenschaft und Technik, den wirtschaftlichen Gegebenheiten und dem allgemeinen Nutzen.
Normen werden von denjenigen erarbeitet, die sie später auch benötigen und einsetzen. Das sind die Fachkreise, die in der Normung als die „interessierten Kreise“ bezeichnet werden. Für die nationale, europäische und internationale Normungsarbeit stehen 28.000 Experten in Deutschland zur Verfügung. Diese vertreten zum Beispiel Hersteller, Verbraucher, Handel, Wissenschaft, Staat oder Prüfinstitute. Die Aufgabe der 71 Normenausschüsse des DIN ist es, die interessierten Kreise für ein Normungsvorhaben an einen Tisch zu bringen. Zusätzlich werden alle Norm-Entwürfe einem öffentlichen Einspruchsverfahren unterworfen. Dieses Verfahren ermöglicht eine Beteiligung der breiten Öffentlichkeit.
Jeder kann einen Antrag auf Normung stellen. Erarbeitet wird die Norm durch die interessierten Kreise, die ihre Experten in Arbeitsausschüsse des DIN entsenden. Die Mitarbeiter des DIN koordinieren die Prozessabläufe und verantworten das Projektmanagement.
Normen entstehen im Konsens, das heißt die Experten verständigen sich über die Inhalte mit dem Ziel, eine gemeinsame Auffassung zu erreichen. Sie berücksichtigen dabei den Stand der Technik, die Wirtschaftlichkeit und die internationale Harmonisierung. Wenn ein Normungsprojekt einen stabilen Beratungsstand erreicht hat, wird das Ergebnis als Norm-Entwurf öffentlich zur Diskussion gestellt. Erst danach kann es als Norm verabschiedet und veröffentlicht werden.
Normen bauen Handelshemmnisse ab. Sie erbringen einen hohen betriebs- und volkswirtschaftlichen Nutzen, der für Deutschland mit rund 17 Mrd. Euro pro Jahr ermittelt wurde (s. "Der gesamtwirtschaftliche Nutzen der Normung: Eine Aktualisierung der DIN-Studie aus dem Jahr 2000"). Normen bewirken 1/3 des Wirtschaftswachstums und stärken somit die Wirtschaft und den Erfolg von Unternehmen mehr als Patente und Lizenzen. Weitere Aussagen der Studie „Gesamtwirtschaftlicher Nutzen der Normung“ durchgeführt von der TU Dresden und dem Fraunhofer Institut, Karlsruhe:
- Normen sind ein Indikator für innovative technologische Leistungsfähigkeit.
- Normen unterstützen den Technologietransfer.
- Internationale Normen haben eine positive Wirkung auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes und öffnen neue Märkte.
- Internationale Normen haben eine handelsfördernde Wirkung.
Der Nutzen der Normung ist ein interner Beitrag zum Unternehmenserfolg. Die Vorteile für Unternehmen sind sehr vielfältig, zum Beispiel:
- Kostensenkung durch
- Massenproduktion und globalen Einkauf
- Reduzierte Transaktionskosten
- Verminderte Anpassungskosten
- Verkürzung der Entwicklungszeiten - Entwicklungsbegleitende Normen begünstigen den Erfolg der eigenen F&E-Investitionen
- Zugang zu neuen Märkten
- Senkung von Haftpflichtrisiken
- Verbesserung von Kundenkontakten
- Imagesteigerung
Die Teilnahme am Normungsprozess ist für ein Unternehmen eine strategische Frage. Unternehmen können im Normungsprozess potentielle Wettbewerbsvorteile erlangen durch:
- Reduzierte Markteintrittskosten
- Wissen- und Zeitvorteile
- Verminderte Anpassungskosten durch Beeinflussung des Norm-Inhaltes
- Kosteneinsparung für die Bereitstellung von Basiswissen
- Verminderte Vertragskosten im Handel
Normen geben Verbrauchern Sicherheit, Qualität und einfache Handhabung. Normen begleiten uns, meist unbemerkt, ein Leben lang. Von Säuglingsartikeln, Kinderspielzeug, Schulranzen und Sprachreisen über Möbelumzugsdienste, Bauwesen, Kraftfahrzeuge, Finanzdienstleistungen und Marktforschung bis hin zu Lebensmitteln, Umweltschutz, Medizin und betreutem Wohnen. Ohne Normen würde die Glühbirne nicht in die Fassung, der Brief nicht ins Kuvert oder der Tankstutzen nicht in den Autotank passen.
Durch Normen werden die wesentlichen Fragen der Sicherheit, der Verträglichkeit mit Gesundheit und Umwelt und der Gebrauchstauglichkeit und Zuverlässigkeit geklärt. Sie geben Verbrauchern Sicherheit in allen Bereichen des täglichen Lebens, ob im Kinderzimmer, im Straßenverkehr oder beim Sport. Sie schützen Arbeitnehmer in der Industrie, in Büros, in Laboren oder am Bau.
Normung ist ein Stück Selbstverwaltung der Wirtschaft. Durch ihre Normungsaktivitäten entlastet die Wirtschaft den Staat von der Regelsetzung und stellt gleichzeitig sicher, dass der Stand der Technik in der Norm widergespiegelt ist. Der Staat hat insbesondere dort ein Interesse an der Normung, wo es um die öffentliche Ordnung geht, zum Beispiel in den Bereichen Arbeits- und Gesundheitsschutz. Aus diesem Grund stellt der Staat dem DIN auch projektbezogene Mittel zur Verfügung.
Auch auf europäischer Ebene sind Normen ein Ausdruck der Selbstverwaltung der Wirtschaft. Aufträge für konkrete Normungsvorhaben werden von der Europäischen Kommission im Rahmen ihrer Richtlinien vergeben.
Im Gegenteil, das DIN stellt die deutsche Teilnahme an übernationaler Normung erst sicher. Das DIN vertritt die deutschen Interessen in den europäischen und weltweiten Normungsorganisationen, im Europäischen Komitee für Normung (CEN), in der International Organization for Standardization (ISO) und über die Deutsche Kommission für Elektrotechnik (DKE) im Europäischen Komitee für Elektrotechnische Normung (CENELEC) sowie dem Europäischen Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) und der International Electrotechnial Commission (IEC) . Die Normungsarbeit des DIN ist zu 85 Prozent international ausgerichtet. Interessierte Kreise können sich nur über eine Akkreditierung durch das DIN an Normungsprozessen bei CEN, CENELC oder ISO und IEC beteiligen. Oder sie können in einem so genannten Spiegelgremium mitarbeiten, welches den nationalen Standpunkt zu einem Normungsvorhaben bündelt. Internationale Normen lassen sich ausschließlich über die nationale Normungsorganisation beziehen.
Eine Norm soll keine technische Lösung vorgeben, sondern Anforderungen formulieren, die verschiedene Lösungswege zulassen. Normen tragen wesentlich dazu bei, technisches Wissen schnell zu verbreiten, etwa im Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, um so die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft von Unternehmen zu stärken. Normen fördern Innovationen, indem sie ihnen zur Marktreife verhelfen. Durch Europäische und Internationale Normen erhalten neue Technologien europa- und weltweit Marktzugang.
Normen haben für sich genommen keinerlei Gesetzeskraft. Die Anwendung von Normen ist freiwillig. Obwohl sie nur den Charakter von Empfehlungen haben, beruht ihre hohe Durchsetzungskraft auf ihrem großen Nutzen und dem in ihnen liegenden versammelten, qualifizierten Sachverstand.
Erst durch Rechtsakte Dritter können Normen Verbindlichkeit erlangen, etwa wenn in privaten Verträgen oder in Gesetzen und Verordnungen auf sie Bezug genommen wird. Durch die Anwendung von Normen lassen sich Rechtsstreitigkeiten vermeiden, weil sie eindeutige Festlegungen enthalten.
DIN: DIN-Norm, die ausschließlich oder überwiegend nationale Bedeutung hat oder als Vorstufe zu einem übernationalen Dokument veröffentlicht wird.
DIN EN: Deutsche Ausgabe einer Europäischen Norm, die unverändert von allen CEN/CENELEC-Mitglieder übernommen wird.
DIN EN ISO: Zunehmend entstehen Normen unter Federführung von ISO oder von CEN, die dann von beiden Organisationen veröffentlicht werden. Wie bei EN-Normen ist die Übernahme als nationale Norm Pflicht.
DIN ISO: Unveränderte nationale Übernahme einer ISO-Norm.
DIN IEC: Unveränderte nationale Übernahme einer IEC-Norm.

