Deutsches Institut für Normung e. V.

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1. Preis: CVUA Stuttgart

Wettbewerb "Nutzen der Normung" 2009
Einreicher: Dr. Michelangelo Anastassiades
Thema: Einsparungen durch die Einführung von DIN EN 15662 Pflanzliche Lebensmittel - Bestimmung von Pestizidrückständen (QuEChERS-Verfahren)
Zugrundeliegende Norm: DIN EN 15662 Pflanzliche Lebensmittel - Bestimmung von Pestizidrückständen mit GC-MS und/oder LC-MS/MS nach Acetonitril-Extraktion/Verteilung und Reinigung mit dispersiver SPE - QuEChERS-Verfahren; Deutsche Fassung EN 15662:2008
 
Allein in Deutschland werden mehr als 30 000 Tonnen Pestizide zur Schädlingsbekämpfung und zum Pflanzenschutz eingesetzt. Weltweit sind über 1000 verschiedene Pestizidwirkstoffe beschrieben, die sich zudem stark in ihren chemischen Eigenschaften unterscheiden. Einerseits helfen Pestizide, schädliche Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen zu bekämpfen und stellen damit die Versorgung mit gesunden Lebensmitteln sicher, andererseits können sie, insbesondere bei unsachgemäßer oder unzulässiger Verwendung, über die Belastung von Luft, Boden und Gewässer die Gesundheit des Menschen beeinträchtigen. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation verursacht der Pestizideinsatz weltweit etwa 300.000 akute Vergiftungen und 20.000 Todesfälle pro Jahr. Wirksamen Schutz bietet einzig die Kontrolle insbesondere pflanzlicher und tierischer Erzeugnisse auf Pestizidrückstände. Durch die Globalisierung gelangen aber kenianische Bohnen, peruanischer Spargel, chinesischer Knoblauch und ähnliches mehr regelmäßig auf deutsche Teller.
Vom Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart (CVUA S) werden jährlich ca. 2.500 Proben auf Rückstände an Pflanzenschutzmitteln in pflanzlichen Erzeugnissen untersucht. Das CVUA ist hier Zentrallabor für Baden-Württemberg und seit 2006 auch Europäisches Referenzlabor im Bereich Pestizidrückstände. Ziel der amtlichen Lebensmittelüberwachung ist es, möglichst viele der über 1000 Stoffe regelmäßig in den Proben zu untersuchen. Aus Kostengründen ist dies jedoch nur möglich, wenn sogenannte Multi-Methoden (MRMs) zur Verfügung stehen, die mit einer Probenaufarbeitung möglichst viele Stoffe gleichzeitig erfassen können.
Die jetzt eingesetzte Multimethode besteht aus einer Reihe einfach durchzuführender Schritte, bei deren Entwicklung vor allem Wert darauf gelegt wurde, die mittelfristig absehbaren Fortschritte in der Messtechnik zu nutzen und zeitintensive, komplizierte und fehleranfällige Schritte, wo immer möglich, zu vermeiden. Das Verfahren wurde QuEChERS getauft, d. h. Quick Easy Cheap Effective Rugged Safe. Die Vorteile der Quechers-Methode gegenüber klassischen Verfahren zur Analyse von Pestiziden in Obst und Gemüse sind der geringe Verbrauch teilweise toxischer Lösemittel, der reduzierte manuelle Arbeitsaufwand, die schnelle Aufarbeitung der Probe sowie das bedeutend breitere Spektrum erfassbarer Pestizide bei gleichbleibendem Personalstand. So können jetzt acht Proben in 30 min aufbereitet werden, wohingegen man für eine 8er Serie mit einer traditionellen Methode etwa einen Arbeitstag benötigte, d. h. die Zeitersparnis beträgt über 90 %. Viele Pestizide, die herkömmlich Einzelbestimmungsverfahren erforderten, konnten in die neue Methode integriert werden. Die Arbeiten, die zur Veröffentlichung des Verfahrens als Europäische Norm DIN EN 15662 führten, haben die Methode noch einmal verbessert und durch Modifikationen erheblich erweitert. Die Erweiterung des Stoffspektrums am CVUA Stuttgart auf jetzt über 550 Pestizide pro Probe hat eine erhebliche Verbesserung des Verbraucherschutzes in diesem Bereich bewirkt. Dabei spielten neben der Steigerung der Effizienz auch die Reduktion des Lösungsmittelverbrauches und der Verzicht auf chlorierte Lösungsmittel aus toxikologischen und Umwelt-Gesichtspunkten eine große Rolle. So fallen lediglich 1 bis 2 € Materialverbrauch pro Probe für die Probenaufarbeitung (je nach eingesetzter Menge zur Aufreinigung). Die entsprechenden Kosten bei der früher verwendeten Specht-Multimethode betragen rund 25 €., d.h. rund 95% geringere Kosten für Verbrauchsmaterialien.
Grundsätzlich können Laboratorien auch andere als amtliche oder genormte Methoden einsetzen. Allerdings müssen sie dann belegen, dass die verwendeten Verfahren mindestens gleichwertig sind. Diesen Nachweis zu führen ist mit zusätzlichen Kosten verbunden, was viele, vor allem private Laboratorien, abschreckt. Ferner bestehen Kunden, die sich mit den Details verschiedener analytischer Verfahren naturgemäß nicht auskennen darauf, dass die beauftragten Labore genormte Verfahren benutzen. Aus den genannten Gründen konnte sich „QuEChERS“, obwohl bereits 2003 veröffentlicht in der Breite erst durchsetzen, als die Arbeiten für die Normung bereits im Gange waren und die DIN EN 15662 zumindest als Entwurf schon vorlag.
Die DIN EN 15662 konnte sich auf Grund der zahlreichen offensichtlichen Vorteile innerhalb kurzer Zeit bei vielen öffentlichen und privaten Laboratorien etablieren. Mit der Normung und Verbreitung der Methode einhergehend, haben auch Herstellern und Vermarkter von Verbrauchsmaterialien für die analytische Chemie die große Bedeutung der Methode erkannt. Zahlreiche Firmen bieten neuerdings speziell für die DIN EN 15662 geeignete Produkte in Form von Kits an und werben mit Effizienzsteigerung. Da mehrere Tausend Labore sich weltweit mit der Pestizidrückstandsanalytik beschäftigen und mehrere Millionen Proben jährlich untersuchen, erscheint dieses Marktsegment plötzlich mit der Veröffentlichung der Norm für viele lohnend. Die Norm bietet dabei die Sicherheit, dass das Verfahren anerkannt ist
 

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